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Autor: Daniel W

Reschke TV: Wie uns die Ölkonzerne verarschen.

Posted in Energie, Gesellschaft, and Politik

Die Redaktion von „Reschke Fernsehen“ hat am 1. Juni 2023 ein leider schon altes Thema neu aufbereitet: schon zu meiner Schulzeit in den Siebzigern waren die LĂŒgen der Ölkonzerne und deren Lobbyismus in der Politik ein Ziel der investigativen Presse. Teilweise haben einige Leaks von internen Ölkonzern-Studien und Korrespondenz Jahrzehnte gebraucht, um an die Öffentlichkeit zu kommen. Unterm Strich ist es aber immer noch das selbe: die Konzern-Chefs sind skrupellos in ihren Methoden und skrupellos, was die Zerstörung der Erde anbetrifft.

Sehr sehenswerte Folge:

Wie uns die Öl-Industrie belĂŒgt

Anja Reschke ĂŒber die skrupellosen Ölkonzerne.

Anja Reschke wird von vielen Seite versucht, zu diskreditieren. Leider ist es aktuell in Mode, die Überbringer schlechter Botschaften hinzurichten – sprich propagandistisch zu diffamieren. Die KlimaschĂŒtzer seien Kriminelle, Julian Assange und Edward Snowden böse VerrĂ€ter und Anja Reschke wĂŒrde sich nur profilieren wollen.

China tut es: 3 Gigawatt Solar-Kraftwerk ans Netz gegangen.

Posted in Energie

Immer wieder hört man die Frage, was denn die Chinesen gegen den CO₂-Ausstoß tĂ€ten: sie bauen Solarparks und WindrĂ€der. In der Frage steckt eine antiquierte Überheblichkeit, die langsam alle durch aktuelle Fakten ersetzen können.

Im Jahr 2025 wird China einen Anteil von 50% durch erneuerbare Energien erreicht haben. In nur ein paar Jahren. Das 100-Gigawatt-Programm solls möglich machen. Damit tut China etwas gegen die immens hohe CO₂-Emission – die allerdings vor allem auf die ins Billiglohnland ausgelagerte Herstellung fĂŒr europĂ€ische Unternehmen zurĂŒckzufĂŒhren ist.

Ein Land, in dem ĂŒber Nacht ein Krankenhaus gebaut werden kann und innerhalb eines Jahres ein internationaler Flughafen, wird auch das schaffen. In nur 6 Monaten ist das Sonnen-Kraftwerk mit einer Leistung von 3 Gigawatt gebaut worden – zum Vergleich: das Atomkraftwerk Isar 2 hatte eine Leistung von nur 1,5 Gigawatt.

Deutschland wird den Anschluss verlieren. Nicht umsonst ist die Geschichte der SchildbĂŒrger, die allerlei Schwurbelei ausprobieren, in diesem unseren Land angesiedelt. Die vermeintliche Technologie-Offenheit ist nichts weiter als die Macht der Doofen.

â„č Quelle fĂŒr die Eröffnung des Solarparks: Heise.de/news/China

„Earth for all“ – der neue Bericht des Club of Rome 2022

Posted in Energie, Gesellschaft, and Politik

50 Jahre ist es her, dass uns die „Grenzen des Wachstums“ von den Wissenschaffenden des Club of Rome vor Augen gefĂŒhrt haben, wo die Menschheit hinsteuert: in den Abgrund. Viele von uns haben in der Schule gelernt, dass die Hinweise evident sind und weiteres Wachstum die Prognosen RealitĂ€t werden lassen. Das Update trĂ€gt den Titel „Earth for all“.

Cover „Earth for All“ des Club of Rome. ISBN 9783962383879.
Der neue Bericht des Club of Rome.

Leider hat sich in den vergangenen 50 Jahren gar nicht so viel geĂ€ndert. Nicht zuletzt deshalb hat der Club of Rome noch einmal eine Bestandsaufnahme, Prognose und VerĂ€nderungseckpunkte veröffentlicht. Die Essenz ist nicht weniger dramatisch als 1972 – was auch von kaum jemandem erwartet wurde. Außer vielleicht von denen, die denken, dass man mit Technik alles lösen kann. Leider funktioniert bisher weder der Fusionsreaktor als Heilsbringer der fĂŒr fast alles notwendigen Energie. Noch der Replikator, mit dem sich genug Lebensmittel ĂŒberall auf der Welt „herzaubern“ ließen.

Die notwendige Transformation der menschlichen Gesellschaften ist noch dringender geworden. Denn die „Doomsday Clock“ ist im Januar weiter vorgerĂŒckt auf 90 Sekunden bis zum JĂŒngsten Gericht. Die Atomwissenschaftlex des Bulletin of the Atomic Scientists von theBulletin.org haben die Weltuntergangsuhr damit um weitere zehn Sekunden vorgestellt. Die im Club of Rome vertretene Wissenschaft hat 2022 auf ĂŒber 250 Seiten dargelegt, welche vier Felsen wir schnellstens bewegen mĂŒssen.

Politisches Handeln

Da wĂ€re zunĂ€chst der Felsblock Politik in den Demokratien zum Handeln zu bewegen. Hier sind es also die Menschen selbst, die an den Wahlurnen entscheiden, welche Politik den rasenden Zug vor dem Abgrund noch anhĂ€lt. In den Monarchien, Diktaturen und Autokratien wĂ€ren es die wenigen staatstragenden Personen, die Kraft ihrer SelbstĂŒberzeugung, angeblich zu den Schlauesten zu gehören, die notwendigen Schritte zu unternehmen, die ĂŒbrigen Felsen zu bewegen. Sozusagen „one, to rule them all“ – also der eine Fels, die ĂŒbrigen zu regieren.

Soziale Bewegungen

In Berlin und allen BundeslĂ€ndern ist es die Klimaliste, in Schweden Greta Thunberg mit ihrem „Skolstrejk fĂŒr Klimatet“ (Fridays for Future), im United Kingdom die Extinction Rebellion, in den USA die MeToo-Bewegung und andere, die soziale Bewegungen ĂŒberall in der Welt initiiert haben und versuchen, ein Bewusstsein fĂŒr die Notwendigkeit des Umdenkens durch eine neue gesellschaftliche Debatte zu erzeugen. Dadurch entsteht in der Politik eine neue Beachtung, die bedrohlichen Folgen des Klimawandels ernst zu nehmen und sich damit nun endlich einmal auseinanderzusetzen. Die Wahlwiederholung in Berlin am 12. Februar 2023 ist eine Klimawahl.

Neue ökonomische Logik

PrimĂ€r ist gemeint, dass die Energiewende hin zu erneuerbaren mittlerweile gĂŒnstiger geworden sei als fossile Energieen. Immer noch GĂŒltigkeit hat auch die Un-Logik von Wirtschaftswachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen. Eine soziale Gerechtigkeit als ökonomische Rahmenbedingung fĂŒr die StabilitĂ€t des globalen Systems von Beziehungen zwischen den Wirtschaftsfaktoren hat ein Niveau erreicht, dessen Relevanz fĂŒr den gesamten Erdball wir am Beispiel des Ukrainekrieges sehen: die Weltwirtschaft gerĂ€t massiv in Turbulenzen, wenn die zur Neige gehenden Reste der fossilen Brennstoffe nicht richtig fließen, global erwartete Getreidefrachter nicht fahren können oder Lebensmittelkonzerne kein Sonnenblumenöl mehr bekommen. Eine neue Logik findet sich im Ansatz der Donut-Ökonomie wieder.

Technologische Entwicklung

Automatisierung und Digitalisierung fĂŒhren seit langem zu Verwerfungen auf den ArbeitsmĂ€rkten, deren ungeheure KrĂ€fte immer noch nicht berĂŒcksichtigt werden und deren soziale Sprengkraft mancherorts schon zu spĂŒren ist. Die immer grĂ¶ĂŸer und weltweit betrachtet immer umfangreicher werdende Öffnung der sozialen Schere erfordert ĂŒber lang oder kurz eine Entkoppelung von Lohn und Arbeitsleistung – vor allem in Hinblick auf die absurder werdenden SpitzengehĂ€lter: wenn irgendwann kaum noch jemand Arbeit hat oder davon leben kann, gibt es auch keine Kaufkraft mehr; auch die Millionen der Reichen haben keine volkswirtschaftlich relevante Kaufkraft. Damit die Weltwirtschaft dann noch funktioniert, sind Modelle wie das bedingungslose Grundeinkommen letztlich unausweichlich. Die regenerative Energieerzeugung muss und wird auch von neuen Technologien partizipieren, hat in Relation zum disruptiven Charakter der Rationalisierungstechnologien aber nur wenig Potential fĂŒr gesellschaftliche UmbrĂŒche. Der mittelfristige Atomausstieg auch in anderen LĂ€ndern ist selbst im Atomland Frankreich keine so große Sache.

Reformation 2.0

„Earth for all“ wird eventuell die Bibel der Klimabewegung. Ob eine solche Bedeutung in Zeiten von Privatfernsehen, Facebook und der Macht von Influencern fĂŒr ein Buch – selbst in digitaler Form – noch zu erreichen ist, wird sich zeigen. FĂŒr den politisch interessierten Teil der Baby Boomer war der erste Bericht des Club of Rome das jedenfalls.

„Earth for all“

Herausgegeben vom Club of Rome gibt es „Earth for all“ als gedrucktes Buch, e-Pub oder PDF fĂŒr nachhaltige 25 bez. 20 Euro beim Oekom Verlag, MĂŒnchen 2022. 254 Seiten.

Autorx:

Presseauswahl

Tagesschau: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/club-of-rome-grenzen-des-wachstums-101.html

Jetzt: Sonnenenergie in Nordafrika fördern

Posted in Politik

Statt Northstream-2, drei oder vier fĂŒr fossile Brennstoffe, Atomkraft ohne Zukunft und Fracking ohne Verstand, sollte sofort die Produktion von Energie in Nordafrika forciert werden, Hochspannungsleitungen durchs Mittelmeer gelegt und entsprechende Personal-Ausbildung angeleiert werden.

Versuchsanlagen in der spanischen WĂŒste, das Projekt Desertec und andere Großprojekte zum Beispiel in Indien haben gezeigt, dass die aus menschlicher Perspektive unendliche und immense Sonnenenergie, die auf der ErdoberflĂ€che auftrifft, nur abgeschöpft werden muss.

Im Sonnen-GĂŒrtel um den Äquator – auf dem afrikanischen Kontinent in dessen Norden bis zum Mittelmeer – prasseln Photonen im Wert von rund 250 Watt pro Quadratmeter auf den WĂŒstensand ein. In Berlin sind es immerhin noch mindestens 100 Watt pro Quadratmeter im Mittel.

Grafiken: Wikipedia; Creative Commons 3.0

FĂŒr LĂ€nder wie Marokko, Algerien und Libyen könnte das der so dringend nötige Geldregen bedeuten, um die LĂ€nder schnell zu mehr gesellschaftlicher bzw. politischer StabilitĂ€t zu entwickeln. Daher sollte die europĂ€ische Mitarbeit an einem solchen Vorhaben keinesfalls der Privatwirtschaft ĂŒbergeben werden. Sonst wĂŒrde sich an der zur Zeit nahenden Unbezahlbarkeit von fossiler Energie, hin zu der im Grunde kostenlosen Sonnenenergie nichts Ă€ndern.

Da die Energiemenge der Sonnenstrahlen, die bei uns in Deutschland auftrifft, weniger als halb so groß ist gegenĂŒber der Sahara, sind die Transportverluste nach Europa verschmerzbar. Nichtsdestotrotz lohnt es, auch hier im bewölkten Norden mit den seit Jahren erprobten Balkonkraftwerken die Energiewende zu stĂŒtzen. Wir mĂŒssen halt alle mit anpacken – und eben investieren. Balkonkraftwerke amortisieren sich schon nach zwei Jahren – halten aber 20 Jahre oder lĂ€nger.

Auf jedes Dach gehören Solaranlagen.

Zur Stromerzeugung mit Photovoltaik bzw. Solarkollektoren fĂŒr die Warmwasseraufbereitung. Es wĂ€re fĂŒr geldgierige Vermieter viel lukrativer, den Mietern Strom vom eigenen Dach zu verkaufen, als ihnen mit teuren Mieterhöhungsklagen mehr Wohnzins abzupressen.

(Sonnen-) Energie muss ein Menschenrecht sein.

Das bedeutet, alle Menschen mĂŒssen Sonnenenergie prinzipiell kostenlos nutzen können. Da die Sonnenenergie fĂŒr die „Ernteunternehmen“ genauso kostenlos ist, sollten sie auf die Kundx lediglich ihre Betriebskosten umlegen dĂŒrfen. Daher bieten sich Eigenbetriebe an.

Ukraine wird kapitulieren

Posted in Politik

Die Ukraine sollte kapitulieren – und sie wird es. Denn die Ukraine kann diesen Krieg nicht gewinnen. Und selbst wenn, gegen einen so ĂŒbermĂ€chtigen Aggressor wie Russland, nur unter großen Verlusten und SchĂ€den.

Krieg ist absolut sinnlos

In Kriegen gewinnt nur die Waffenindustrie. Alle anderen verlieren. Und immer kapituliert am Ende Einer. 1945 hat Deutschland kapituliert, Japan auch, 1871 Frankreich und schon viele LĂ€nder und Völker vor ihnen. Der Angreifer hat die Kapitulation des Opfers zum erklĂ€rten Ziel. Der Überfallene hat das Ziel, nicht zu kapitulieren. Deshalb kĂ€mpfen sie alle. Immer weiter. Viele Jahre ohne Erfolg, wie man in Afghanistan, Indochina, Sudan, Kongo, Nordirland, PalĂ€stina und ĂŒberall sehen kann, wo Krieg war oder ist. Denn keiner will verlieren, auch nicht, wenn die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse klar sind.

Der Preis dieser Dickköpfigkeit sind viele, viele Tote. Alles Menschen. Mit Kindern, Freunden, Familien. Zerfetzt von Bomben, erfroren in StellungsgrĂ€ben, verdurstet in eingeschlossenen StĂ€dten, erstickt an Giftgas, lebendig verbrannt in Panzern, erschlagen von TrĂŒmmern, verhungert auf der Flucht, erschossen von MördernÂč. Der Einsatz von Waffen hat noch nie einen Krieg beendet – sondern angefacht.

Was wĂŒrde denn passieren, wenn die Ukraine nicht kapituliert? Dann wird sie zusammen­geschossen. Alles wird dem Erdboden gleich gemacht. Erst die militĂ€rischen Anlagen, Flugfelder, Öllager, HĂ€fen, BrĂŒcken. Dann Bahnlinien, KrankenhĂ€user, Schulen. Das geht schnell, damit ist das Land bereits praktisch schon unbenutzbar. Die Millionen von WohngebĂ€uden bieten Beschussziele fĂŒr Jahre; zu sehen zum Beispiel im Jemen. In der Ukraine hat die Vernichtung von Wohnraum erst begonnen. Was nĂŒtzt es den Ukrainern, wenn sie am Ende alle tot sind? Keine Wohnung, keine Nahrung und keine Arbeit haben?

MĂŒssen diese Toten sein?

Sie werden »Opfer« genannt. Sprachlich ist also klar, dass die Toten der angeblich aufgeklĂ€rten Zeit immer noch die ĂŒberholte Folge irrationalen Handelns sind. Opfer sind Ausdruck einer Ohnmacht, was die eigenen Handlungsmöglichkeiten angeht. Statt mit Verstand an die Probleme bzw. Fragen heranzugehen, verzichten die Menschen auf diese Anstrengung und ziehen die Einfachheit eines angeblichen Schicksals vor, dem sie – wenn ĂŒberhaupt – nur mit heidnischen bzw. religiösen Handlungen Milde abzuringen versuchen. Im Weltspiegel vom 10.4.2022 sagt eine Russin stellvertretend fĂŒr alle AnhĂ€nger der Opfernotwenigkeit „[
] ohne Opfer geht es nicht; Gott ist mit uns [
]”⁔. Im Krieg opfern die Beteiligten Machthaber solange Teile der Bevölkerung, bis ihr innerer Opferdruck befriedigt ist.

Wir leben wohl doch nicht in einer Epoche der reinen Vernunft. Denn in einer solchen wĂŒrden die Überfallenen einfach kapitulieren. Es gibt durchaus AnsĂ€tze dieser Strategie: Die Polizei zum Beispiel rĂ€t, RĂ€ubern sofort Geld und Wertsachen zu ĂŒberlassen, weil sie es nicht wert sind, das Leben zu gefĂ€hrden – funktioniert . In der Geschichte der Menschheit sind diejenigen mehr oder weniger gut damit gefahren, diesen Zehnt lautlos abzuliefern, wenn ihnen ihr Leben lieb war. Ja, in der DDR und der Sowjetunion wurden, in Russland und Nordkorea werden die Menschen bzw. die Menschen­rechte unterdrĂŒckt. Aber die Menschen leben. Die Menschen in Russland dĂŒrfen das sogar Land verlassen.

Der epileptische Esel

Der Nacktreiter aus Petersburg ist ein grĂ¶ĂŸenwahnsinniger Kleingeist, dem mit der Logik von Embargos und Völkerrecht nicht beizukommen ist. Er agiert wie ein panischer Stier, der nach ĂŒberall ausschlĂ€gt. Wie ein epileptischer Esel, der seine Hufe nicht koordinieren kann. Wie ein dĂ€mlicher Köter ohne Verstand. Der beschrĂ€nkte Stier hat sich selbst die Eierklemme vom Rodeo angelegt, die dem Tier die Sinne raubt und das Denken unmöglich macht. Dieser Gopnik hat sich in seiner BeschrĂ€nktheit selbst das Glöckchen umgehĂ€ngt, nach dem er bellt, und das ihn am Aufhören hindert. Was sollen diese Gleichnisse? Wie diese, kann Russland mit dem Aus­rasten nicht von alleine aufhören. In diesem Krieg kann das nur die Ukraine.

Kapitulation ist sowieso das Ende

Wenn in der Ukraine nicht noch viele Tausend Menschen sterben sollen, sondern leben, dann wĂŒrde eine Kapitulation das Töten sofort beenden. Eine russische Oligarchie in der (Ost-)Ukraine wĂ€re nicht schön, aber das kleinere Übel. Die Deutschen wĂ€hlen seit Jahrzehnten immer das vermeintlich kleinere Übel. Warum nicht die Ukraine? Die Deutschen und die Russen leben. Haben Facebook, Netflix und iPhones.

Wann wird denn Russland sonst aufhören, die Ukraine zu zerstören? Bei 100.000 Toten oder erst bei 20 Millionen? Das ist egal! Er wird erst aufhören, wenn er gewonnen hat; Russland ist eine ĂŒberlegene AtommachtÂł. Die Ukraine sollte ihn gewinnen lassen – dies ist ein Krieg, „den man nicht gewinnen kann“ ⁎. Um seine Strafe kann die Welt sich spĂ€ter kĂŒmmern – ohne das unendliche Leid des Krieges.

Sanktionen funktionieren nicht, solange es LĂ€nder gibt, die dabei nicht mitmachen. Abgesehen davon wird es immer skrupellose GeschĂ€ftemacher geben, die Waren und Geld auf Umwegen an den Sanktionen vorbei bewegenÂČ. Gas und Öl aus und von Russland zu kaufen, zeigt uns, wie grotesk, verlogen und widersprĂŒchlich die jetzige Situation ist. DarĂŒber hinaus beweisen das alle bisherigen Sanktionen und Kriege.

Das Rechtssystem ist eben reaktiv, nicht prÀventiv

Die Demokratien der Nachkriegswelt haben Institutionen geschaffen, die es ermöglichen, verbrecherische Kriegstreiber vor Gericht zu bringen. Diese Demokratien sollten sich jetzt nicht selbst zu Kriegsparteien machen. Sondern zu jenen besonnenen, geschichtsbewussten und geschichts­gelehrigen Diplomaten werden, die sich weder von einem Geistesgestörten noch von der RĂŒstungsindustrie provozieren lassen.

Selbst wenn die Aggressoren der Gegenwart sich der weltlichen Gerichtsbarkeit dauerhaft entziehen wĂŒrden, wĂ€ren die vielen geretteten Leben ein Sieg der Menschlichkeit und Ethik. Die erhalten gebliebenen Anlagen ein Sieg ĂŒber einen sonst Jahrzehnte dauernden Wiederaufbau. Es ist keineswegs klar, dass PĂŒtin verurteilt werden könnte. Denn viele PsychologInnen sagen, dass Putin – wie Trump und der kleine, dicke Junge mit der schwarzen MerkwĂŒrdigkeit auf dem Kopf – gar nicht zurechnungsfĂ€hig ist.

Die Ukraine könnte jetzt kapitulieren – weil das sowieso passieren wird.


  1. „Soldaten sind Mörder“ in „Der bewachte Kriegsschauplatz“, Kurt Tucholsky, Berlin 1931.
  2. Russian Commercial Bank (RCB Bank) an einen Zyprioten (mit russischem Pass) ĂŒberschrieben: in Panorama vom 17.3.2022.
  3. „Russlands MilitĂ€r ist Ukraine weit ĂŒberlegen“: in n-tv online, 24.2.2022.
  4. Richard David Precht fĂŒr eine Kapitulation der Ukraine: in einem Podcast vom 9. MĂ€rz 2022 (erschienen am 11.3.22) auf der Podcast-Website bei ca. 11:10 und 45:01. Über die folgende Diskussion berichtete unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
  5. Weltspiegel vom 10.4.2022, Beitrag „Russland: Der Umgang mit den toten Soldaten“, bei ca. 2:29

Definition: Kiezblock

Posted in Berlin

Der Begriff Kiezblock

Der Begriff Kiezblock hat sich mittlerweile so sehr verbreitet, dass er dabei recht unscharf geworden ist. Er steht nun eher allgemein fĂŒr die schöne Idee, in einem ĂŒberschaubaren Gebiet etwas fĂŒr die eigene Wohngegend zu tun – den Kiez.

Die Bedeutung des Wortes Kiezblock

Der Begriff ist schon so alt, dass mittlerweile wohl jeder etwas anderes darunter versteht. Heute bezeichnen die meisten Menschen einen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleinen Bereich als Kiez, zu dem ihr eigener Block gehört und der von grĂ¶ĂŸeren Straßen eingegrenzt wird. Im Fall des Karl-August-Kiez sind das 13 Blocks mit rund 10.000 Menschen – eine Kleinstadt.

Der Kiezblock sprachlich betrachtet

Sprachlich betrachtet mĂŒsste es zudem Blockkiez heißen. Denn der Kiez besteht aus Blöcken, nicht umgekehrt. Allerdings haben wir es hier mit zwei Kontextebenen zu tun. Zum einen steht Kiezblock eher fĂŒr den physisch vorhandenen Block aus einer ringförmig stehenden Reihe von HĂ€usern – den Wohnblocks. Zum anderen meint Kiezblock auf der Metaebene einen mehr oder weniger willkĂŒrlich festgelegten, planerisch fokussierten Bereich, der zum Beispiel im Sinne der Verkehrswende umgestaltet wird. Dieser Prozess begann in Barcelona unter dem Begriff Superblock.

Der Begriff Kiezblock ist bisher nicht definiert. Eventuell leitet er sich von der heute ĂŒblichen Betrachtungsweise von oben auf einen Stadtplan ab, auf dem die Kieze als mehr oder weniger geschlossene Blöcke erkennbar sind. Im Mittelalter waren Kietze eigenstĂ€ndige Siedlungen mit speziellen Aufgaben, entfernt verwandt mit Werkssiedlungen. Fast alle Kietze finden sich in der NĂ€he von Burgen und haben mit der Versorgung mit Fisch zu tun. Von den Wohnblöcken, die im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert entstanden sind, stammt der Begriff Kiezblock nicht ab, da es den Begriff bereits vorher gab.

Die Geschichte der Blöcke und Kieze

In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts war der Begriff Kiez hĂ€ufig nahezu identisch mit dem Begriff Block. Jeder Block hatte mindestens vier Kneipen, einen Kuhstall, BĂ€cker und Milchladen, eine Kohlenhandlung, Fleischer, KrĂ€mer, Schneider, Schuhmacher etc. Besonders die sehr großen Blöcke aus Parzellen mit mehr als drei Höfen pro GrundstĂŒck musste man daher kaum verlassen. Trotzdem gab es je nach Wohngegend natĂŒrlich auch große Unterschiede. In den Berliner Arbeiterwohngegenden hatten die Blöcke auf dem Wedding nicht selten 30 Höfe mit allen erdenklichen Industrien, Gewerben und Sondernutzungen.

Der grĂ¶ĂŸte noch erhaltene, geschlossene Block Berlins liegt zwischen Immanuelkirchstraße, Marienburger Straße, Winsstraße und Prenzlauer Allee. Je nach ZĂ€hlweise hat er 30 bis 60 Höfe. Letzteres, wenn man pro Parzelle zĂ€hlt.

Da Eltern hĂ€ufig auf dem Block gearbeitet haben und 30 Höfe fĂŒr Kinder genug Abwechslung boten, gab es kaum GrĂŒnde, auch nur auf die andere Straßenseite zu gehen. In den damaligen Mietskasernen wie Meiers Hof haben 2000 Menschen gewohnt. Zehn solcher Parzellen auf einem Block haben so viele Einwohner wie eine Kleinstadt gehabt. 1905 betrug die Wohndichte ĂŒber 700 Menschen pro Hektar – heute liegt sie in Berlin oder London etwas ĂŒber 100, in Paris etwas ĂŒber 200/ha. 1942 waren in Berlin ĂŒber 4,5 Millionen Menschen gemeldet.

Fazit zum Begriff Kiezblock

â–ș Lange Rede, kurzer Sinn: Wortbildungen aus Kiez und Block sind eher eine positiv behaftete, vielschichtige Reminiszenz an den Siedlungs- bzw. StĂ€dtebau, vor allem aber an den fußlĂ€ufigen, gemeinsamen Lebensraum der Menschen.

Der Rosengarten im Großen Tiergarten in Berlin.

Posted in Berlin

Viel GrĂŒn steht um den Rosengarten. Der Große Tiergarten nĂ€mlich. Nein, nicht der Zoo, ihr doofen Touristen. Der schöne Park, den Friedrich der Große aus dem Jagdrevier seiner Vorfahren gestalten ließ. Das war schon anno Zopp (1742). Fast 200 Jahre musste der arme Tiergarten ganz einsam ohne den Rosengarten wachsen. Aber dann, 1909, hatten die Honoratioren ein Einsehen: der Junge braucht jetzt einen Rosengarten. Die Berliner U-Bahn war gerade in die Schule gekommen (*1902). Da sollte es dem Tiergarten auch an nichts mehr fehlen.

Rosengarten 2019
Der Rosengarten im Jahr 2019. Die halbkreisförmige Stoa wird aus heutiger Sicht vielleicht als stilisierte Ruine empfunden. Es ist jedoch unklar, ob sie nach den Zerstörungen durch den zweiten Weltkrieg ĂŒberhaupt originalgetreu wiederaufgebaut wurde. 1972 herrschte eine ganz andere Gestaltungsideologie als zur GrĂŒnderzeit. Einige Tiergarten-Chronisten vermuten, dass die Pergola gedeckt gewesen ist und eventuell kleine VerkaufsstĂ€nde zwischen den SitzbĂ€nken vorhanden gewesen sind. Der Tiergarten war von Friedrich II von Preußen als Erholungsort fĂŒr die Berliner gedacht. Es gab ĂŒberall kleine Bauwerke zum Verweilen oder unterstellen. ZunĂ€chst auch Gastronomie-Zelte, spĂ€ter eine ganze Reihe von BiergĂ€rten und Wirtschaften. Davon ĂŒbrig sind nur noch das Teehaus im Englischen Garten sowie das CafĂ© am Neuen See, dessen Saal ebenfalls nach dem 2. Weltkrieg im Stil der 50er Jahre neu erbaut wurde: riesige steglose Fensterfronten mit Blick auf den See und die Ruderboote der AusflĂŒgler. 2019/20 ist der unter Denkmalschutz stehende Bau in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verschwunden und wird im Corona-Jahr 2020 in Zeitlupe neu gebaut.
Rosengarten 2017
Der Rosengarten im Mai 2017. Je nach Jahreszeit ist der Rosengarten mehr oder weniger bunt. DafĂŒr fallen die Standbilder aus Bronze mehr auf. Der hier zu sehende Hirsch ist 2019 verschwunden. Ein Schild gibt Auskunft darĂŒber, er sei an einem anderem Standort zu finden – der jedoch leider nicht genannt wird. Die DenkmĂ€ler im Tiergarten sind leider innen hohl, was ihnen beim Dranklopfen die bis zu diesem Augenblick vorhandene WĂŒrde etwas nehmen. Hoffen wir mal, dass Vandalen und Diebe nicht wissen, wie man die Figuren vom Sockel löst. Lebensgroße Nachbildungen von ansĂ€ssigem Großwild finden sich an verschiedenen Stellen, zum Beispiel Keiler. Sie sollen daran erinnern, dass der Tiergarten nicht umsonst Großer Tiergarten heißt und das auch einmal war. Bevor der Alte Fritz einen Lustpark fĂŒr die Menschen gestalten ließ, war das GelĂ€nde wesentlich grĂ¶ĂŸer und diente den KurfĂŒrsten als Jagdrevier. Genauso wie heute in einigen afrikanischen Wildtierparks waren die Tiere gezĂŒchtete Exemplare – nur um von vermeintlichen feinen Herrschaften getötet zu werden. Eine bronzene Wisentplastik ist Zeuge dieser Ungeheuerlichkeit, denn Wisente waren in Preußen bereits seit dem Mittelalter ausgestorben und wurden auf Kosten der Steuerzahler aus Masuren geholt.
Rosengarten im August 2019
Rosengarten August 2019. Es ist wunderschön, die VerĂ€nderung der Vegetation im Lauf des Jahres zu beobachten. Echte Foto-Profis – also nicht ich – warten natĂŒrlich bin zum Sonnenuntergang, damit alles in ein warmes Licht getaucht ist. DafĂŒr ist der Schattenwurf am spĂ€ten Nachmittag interessanter. Viele haben im Hinterkopf, der Große Tiergarten sei von LennĂ© entworfen worden. Als LennĂ© 1818 den Auftrag fĂŒr eine Neugestaltung bekam, war der Park aber schon rund 300 Jahre alt. Er hat den heute noch vorhandenen visuellen Duktus zwar sehr geprĂ€gt. Seine Arbeit hat die seiner VorgĂ€nger jedoch auch respektiert. Den Rosengarten hat er mehr oder weniger aber neu angelegt. WĂ€hrend die Pflanzenpracht ein mannigfaltiges Potpourri aus vielerlei Arten darstellt, ist der Grundriss eher linear und fĂŒr LinnĂ© untypisch. Der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil des Tiergartens, vor allem der sĂŒdöstliche Teil, die Neue Partie, trĂ€gt LennĂ©s Handschrift deutlich. Bereits vor LennĂ© – etwa 1797 – war eine kleine Insel Jean-Jacques Rousseau gewidmet worden. Er hatte bereits damals eine »RĂŒckkehr zur Natur« vorgeschlagen. Sie ist in ihrer UrsprĂŒnglichen Form noch so vorhanden. LennĂ© hat seine von Rousseau und den englischen LandschaftsgĂ€rten inspirierte Planung um solche Denkmale herumgestaltet. Die Geschicklichkeit, mit der LennĂ© vorhandene Objekte und Bereiche integriert hat, wirkt perfekt, eben wie aus einem Guss. Wer es nicht weiß, hĂ€lt alles fĂŒr natĂŒrlich – obwohl man sich ĂŒber soviel natĂŒrliche Perfektion dann schon wieder wundern könnte.
Der gesamte Neue Große Tiergarten wurde vom Alten Fritz fĂŒr die Nutzung aller Menschen in die Umgestaltung entlassen. Nicht mehr nur der Adel sollte hier eine stadtnahe Natur erleben, zumal er selbst die Jagd wohl scheußlich fand. Alle, die nach ihrer Façon in Preußen glĂŒcklich werden wollten, sollten dies das ganze Jahr hindurch im Tiergarten können. Vor allem im neu angelegten Rosengarten war Farbe der SchlĂŒssel, um die unter der Woche geschundene Seele wieder zu heilen. Möglichst lange im jahr sind an diesem Ort der zeitlosen Entspannung mannigfaltige Tupfer von Blumen und Stauden zu bewundern – bis heute. Nicht nur die namengebenden Rosen finden hier ihre BĂŒhne vor den BerlinerInnen. FarbenprĂ€chtige Blumen aller Art stehen den Bienen und anderen Insekten zur VerfĂŒgung. Die Menschen erfreuen sich der Wogen aus Rosarot und Gelb, Violett und GrĂŒn. Hier sind Pracht und FĂŒlle die tonangebenden Charaktere, dass es dem Auge bald auch zu viel wird. Hat man sich satt gesehen, fĂŒhrt einer der drei AusgĂ€nge zurĂŒck in den allgemeinen Park. Auch der prĂ€sentiert vielerlei GeblĂŒm der besonderen Art, nur weniger ĂŒppig. Der MĂ€rkische Sand lĂ€sst Buntheiten wie Oasen aus dem eher mageren GrĂŒn hervortreten. Auch im ĂŒbrigen Tiergarten ist kaum eine Pflanze zufĂ€llig an ihrem Standort. Dennoch ist es den Gestaltern gelungen, den Eindruck von NatĂŒrlichkeit ĂŒber Generationen von GĂ€rtnern zu entwickeln.